Frieda Hess – eine Muse Karl August Lingners

Wer war Frieda Hess und welche Rolle spielte sie für Karl August Lingner? Wie verlief ihr Leben nach Lingners Tod?

Diesen Fragen ist der Förderverein nachgegangen, nachdem ihm durch Zufall Material über Frieda Hess durch deren Großnichte Helga Langer in die Hände geriet.
Begeben wir uns auf Spurensuche. Von Lingners Biographen Walter A. Büchi und Dr. Ulf-Norbert Funke erfahren wir nur wenig über sie: Geboren wurde sie 1886 in Dresden, seit 1897 ist sie Elevin der Ballettschule am Hoftheater und seit 1902 Mitglied des Corps de Ballet. 1906 wird sie Solotänzerin, ist ein Star, interpretiert alle großen Tanzrollen wie auch die Tanzeinlagen in den Opern. Lingner kennt sie wahrscheinlich von klein auf, besucht viele ihrer Vorstellungen, ist eng mit ihr befreundet.
Details des Verhältnisses zum 25 Jahre älteren Lingner sind nicht bekannt, auch Helga Langer kann dazu nichts Näheres sagen. Jedenfalls gehört Frieda Hess in Lingners Testament zu den Privilegierten, sie erhält eine lebenslängliche Leibrente von jährlich 5.000 RM und Kriegsanleihen in Höhe von 50.000 RM.
1908 entsteht eine Büste von ihr aus Meissner Porzellan, geschaffen vom Meissner Porzellanmodelleur Karl Theodor Eichler, der mehrfach auch Tänzerinnenfiguren schuf. War Lingner der Auftraggeber? Möglich ist es, doch nicht erwiesen. Der ehem. Leiter der Meissner Schauhalle, Dr. phil. Hans Sonntag wurde durch die Büste angeregt, mehr über Frieda Hess zu erfahren und kam 1999 durch eine Suchanzeige in der SZ mit Helga Langer in Kontakt, die sehr viel Material über ihre Großtante gesammelt hat. Nun konnte er ihren Lebensweg von der berühmten Solotänzerin bis zu ihrem Lebensende in den USA nachverfolgen und somit durch ein Meissner Porzellanobjekt eine bewegte Lebensgeschichte transparent machen.
Wir wollen diesem Lebensweg ebenfalls weiter folgen. Frieda Hess tanzte alle großen Partien im Königlichen Hoftheater wie z.B. Coppelia, Die Puppenfee, Der Schleier der Pierette und Der Kinder Weihnachtstraum, außerdem tanzte sie in den Opern Die Stumme von Portici, Undine, Die verkaufte Braut und Carmen. Eine eindrucksvolle, aber nicht vollständige Aufzählung.
Bis 1918 tanzte sie in Dresden, dann trat sie mit 32 Jahren vom Theater und aus Dresden ab. Im gleichen Jahr heiratete sie in Wien den österreichischen Offizier Oskar Fleischmann, der jüdischen Glaubens ist. 1920/21 ist Frieda Hess als Solotänzerin am Berliner Metropoltheater engagiert. Von 1920 bis 1932 leitete sie mit ihrem Ehemann eine Tanzakademie/Tanzschule in Berlin und gab mit dem Tänzer und Ballettmeister Jan Trojanowski Gastspiele in ganz Europa. Nach der Machtergreifung der Nazis verließ sie Deutschland mit ihrem Mann. Stationen ihres Weges und ihrer Flucht sind Frankreich, Schweiz (nicht erwiesen), Spanien, Kuba und die USA (seit 1946). Ihr Mann verstarb 1947 in den USA, Frieda Hess wurde in diesem Jahr amerikanische Staatsbürgerin.
Konnte sie Lingners Vermächtnis von 1916 über die Wirren der Zeit retten? Bis zu ihrer Emigration 1933 gab es keine Probleme. Bis 1939 erhielt sie die Leibrente über ihren Bruder Guido Hess ausgezahlt. Dann finden sich 1941 in den Unterlagen der Lingner-Stiftung Briefe, die darauf schließen lassen, dass die Rentenzahlung eingestellt und Frieda Hess mit 8.125 RM unter Verzicht auf alle weiteren Ansprüche abgefunden wurde. Der Betrag wurde auf ein Sperrkonto eingezahlt, ob sie das Geld bekommen hat, ist unklar.
Frieda Hess lebte in den USA in einfachen Verhältnissen. 1948 gab sie einer Zeitung ein Interview über ihren künstlerischen und persönlichen Werdegang. Mit den Dresdner Familienangehörigen hält sie bis zu ihrem Tode 1972 engen Kontakt, Briefe gehen hin und her, 1957 gibt es ein Treffen in Westberlin, ein Dresden-Besuch wurde ihr von den DDR-Behörden verwehrt.
Sie ist bei ihrer Familie und sicher auch bei vielen anderen Menschen nicht vergessen.

 

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Bilder von Frieda Hess