Ausstellung des Dresdner Malers Walther Beyermann (1886-1961) vom 14. September bis 12. Oktober 2008 im Lingnerschloss

Zum ersten Mal wird in einer Personalausstellung des Dresdner Malers Walther Beyermann gedacht, dessen Werke aus der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts nur wenigen bekannt sein dürften.


Walther Beyermann, 1886 im böhmischen Haida geboren, lebte und arbeitete nach Abschluss seines Studiums an der Königlich Sächsischen Akademie der bildenden Künste Dresden in Pillnitz und Hosterwitz.


Mit dem Lingnerschloss als Ausstellungsort ist ein lokaler Bezug auf einen seiner einstigen Auftraggeber genommen, der Familie von Mayenburg, Firmengründer und Inhaber der Dresdner Leo-Werke und zeitweilige Besitzer von Schloss Eckberg. Darüber hinaus finden sich in verschiedenen seiner Werke landschaftliche Bezüge zum Dresdner Elbhang. Als gefragter Porträtist bestritt Beyermann einen Großteil seines Lebensunterhaltes mit Bildnissen im Auftrag zahlreicher Persönlichkeiten des öffentlichen Lebens, Industrieller und Mitgliedern von Adelsfamilien.


Wenngleich Walther Beyermann kein programmatischer Künstler großer Neuerungen war, darf er durchaus als beispielhafter Vertreter des so genannten Dresdner Kolorismus bezeichnet werden, der sein bei Robert Sterl, Osmar Schindler, Richard Müller und Carl Bantzer erlerntes Handwerk souverän beherrschte. Beyermanns Begabung als Kolorist und Meister ausgewogener Kompositionen kommt sowohl in Landschaften als auch in seinen Bildnissen zum Tragen, die, oft sogar miteinander verbunden, den Schwerpunkt seines Œuvres bilden.


Im Spannungsfeld zwischen impressionistischer Vortragsweise, insbesondere was Beyermanns virtuose Beherrschung des Lichtes und die subtile Beobachtung von Stimmungen anbelangt, und einer eher naturalistisch bis sachlichen Ausdrucksweise, verfügt der Maler über kein geringes Repertoire an künstlerischen Ausdrucksmöglichkeiten. Anders als mancher Impressionist seiner Zeit, der gerade den flüchtigen Augenblick in einem scheinbar zufällig ausgewählten Bildausschnitt festzuhalten suchte, finden wir bei Beyermanns Menschendarstellungen stets sehr sorgfältig ausgewogene Bildkompositionen und Porträtierte, denen eher Momente des Innehaltens und der Kontemplation eigen sind. Dabei bleibt die Naturnähe des Erscheinungsbildes stets gewahrt. Neben Charakterdarstellungen gehören auch heimatliche Landschaftsräume und Landschaften zu den Höhepunkten seines Schaffens.


Ein immer wiederkehrendes Motiv sind Walther Beyermanns poetisch empfundene Mutter-und-Kind-Darstellungen, aus denen Liebe, Hochachtung und Feingefühl zugleich sprechen. Modell waren dabei nicht selten seine Frau und die gemeinsamen fünf Kinder. In diesen Bildern lernen wir den Familienvater und Menschen Beyermann kennen, welcher auch ohne Lehramt und spektakuläre Verkaufsausstellungen mit seiner kontinuierlichen und qualitativ hochwertigen Malerei eine große Familie ernähren konnte. Hier darf man getrost auch einmal zuerst den Menschen und dann den Künstler sehen. Wie viele seiner Künstlerkollegen konnten kaum ihren eigenen Lebensunterhalt bestreiten.
Kulturhistorisch hoch zu schätzen sind Beyermanns Auftragsbildnisse, in denen der Künstler neben seiner Fähigkeit treffsicherer Charakterdarstellung zum Dokumentaristen seiner Zeit und ihrer Wertvorstellungen, Moden und Befindlichkeiten wurde. In freien Arbeiten mit einfühlsamen Darstellungen von Vertretern niederer Stände wird Beyermanns zutiefst humanistisches Grundverständnis erfahrbar, welches hinter Repräsentanz und ästhetischem Wohlklang sein Menschenbild prägt.


Walther Beyermanns Œuvre ist gemäß seinem damaligen Wirkungskreis heute in vielen Landesteilen verstreut und selten in öffentlichen Sammlungen ausgestellt. Dass diese Ausstellung zustande kommen konnte ist in erster Linie dem jahrelangen Bemühen des Dresdner Ehepaares Dr. Günter Hötzsch und seiner Gattin zu verdanken. Als jüngste Tochter des Malers war Rosemarie Hötzsch von dem Wunsch beseelt, das Lebenswerk ihres Vaters posthum zu würdigen und ihn aus der Vergessenheit ans Licht der Öffentlichkeit zu rücken. Unermüdliche, teils abenteuerliche Recherchen und Rückkäufe, in Eigenfinanzierung vorgenommene umfangreiche Restaurierungsarbeiten, Suche nach Zeitdokumenten und letztlich einem geeigneten Ausstellungsort finden nun Dank des großen Engagements der Initiatoren in dieser Schau einen lange errungenen Höhepunkt und Abschluss. Ohne finanzielle Unterstützung aus öffentlicher Hand und gänzlich frei von professionell kommerziellem Sammlerhintergrund ist hier eine von Bürgern initiierte Ausstellung möglich geworden. Ohne das großzügige Entgegenkommen von Leihgebern wäre diese Ausstellung kaum zustande gekommen.


Ein Faltblatt sowie ein illustrierter Katalog begleiten die Ausstellung, die vom 14. September bis 12. Oktober 2008 im Lingnerschloss zu sehen sein wird.


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